Andacht
über Matth.9,36-38
Liebe Besucher unserer Andacht „Dein Moment mit Gott“
Heute lese ich Ihnen einen Text vor, der mir wichtig war, als ich den Beruf
einer Gemeindehelferin wählte. Als
ich noch in Ostberlin wohnte, war ich mehr für einen technischen Beruf, z.B.
Bauzeichnerin oder auch Fotojournalistin. Für Bauzeichnerin hatte ich sogar
schon eine Lehrstelle bei Bergmann Borsig. Als meine Familie dann nach
Westberlin ging, entschied ich mich für einen Beruf, in dem ich mit Menschen zu
tun hatte. In der Kirchengemeinde, in der ich aufgewachsen war, haben
Diakonissen die Jugendarbeit gemacht und so etwas wollte ich auch gerne machen.
Und
als Jesus das Volk sah, jammerte es
ihn; denn sie waren verschmachtet und zerstreut
wie die Schafe, die keinen Hirten haben.
Ich dachte: Wie kann man den Herrn der Ernte
um Arbeiter bitten, wenn man selbst nicht dazu bereit ist.
Mein Vater erkundigte sich dann, wo man Jugendleiterin bei der Kirche werden könnte
und meldete mich in der Bibelschule der Morgenländischen Frauenmission in
Berlin Lichterfelde an. Dort konnte man mit der Ausbildung Katechetin und
Missionsschwester werden.Die Ausbildung dauerte 2 ½ Jahre inklusive einem halbjährigem
Praktikum in einer Kirchengemeinde.
Jesus sah das ja auch in dem Bibelwort, das ich zu Anfang vorlas:
Die Menschen sind immer Suchende. Sie suchen nach Halt und Geborgenheit, nach Perspektive und Zielen, für die es sich zu leben lohnt. Ich bin viel im Internet und unterhalte mich da mit Menschen und die fragen oft: Was ist der Sinn des Lebens, wozu bin ich geboren. Und die Diskussionen über Religion sind immer sehr lang und engagiert.Die Teilnehmer an einer Diskussion haben mir erlaubt, hier ihre Beiträge zu zitieren.
Erst einmal zwei kritische Beiträge:
Jesus
ist suchenden Menschen immer barmherzig begegnet im Gegensatz zu den damaligen
Leitern der Religionsgemeinschaft.
Jesus sagte: "Die Schriftgelehrten und Pharisäer sind dazu
eingesetzt, euch das Gesetz des Mose auszulegen.
Zu den Pharisäer und Schriftgelehrten sagte er: Ihr seid Heuchler! Durch euch wird anderen der Zugang in die neue Welt Gottes versperrt. Ihr selbst geht nicht hinein, und die hinein wollen, hindert ihr daran.
Was jeden Einzelnen Situationen meistern lässt, ist ein ganz persönliches
Ding.
Jeder bezieht seine innere Stärke aus ganz persönlichen Quellen. Wenn Menschen
das in einem vorgefertigten Modell finden können, dann ist das wohl eher
beneidenswert.
Es gibt Menschen, die finden diesen Halt dort nicht. Das ist dann wohl eher von
Nachteil.
Ich kann es schon verstehen, das Glaube in dieser Hinsicht wirklich von Vorteil
sein kann,
....aber was nutzt es,
wenn man ihn nicht hat ?
Jesus sagt sinngemäß, wer an mich
glaubt ist errettet - sofort. Ohne Taufe, ohne Mitgliedschaft in einer Kirche,
ohne Sakramente - Einfach nur aus Glauben.
Diese tiefe Wahrheit war lange verschollen und wurde erst durch Luther wieder zu
Tage befördert - die katholische Kirche wehrt sich heute noch dagegen die sog.
"Gnadenlehre" anzuerkennen.
In Wirklichkeit ist Kirche etwas ganz anderes. Es ist eine Versammlung der Gläubigen.
Jesus sagt sogar "Wenn zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, dann
will ich mitten unter ihnen sein"
Wenn ich mich also mit einem anderen Christen irgendwo treffe, dann ist das
bereits "Ekklesia" bzw. Kirche.
Kirche ist demzufolge kein fester Ort oder ein Bauwerk, sondern sie ist immer
dort wo Christen sich treffen.
Das ist modernes Christentum. Völlig ungesetzlich, frei von Zwängen, keine
Hierarchien, keine Machtkämpfe. Jeder kann so sein wie er ist.
Während die Landeskirchen immer mehr Mitglieder verlieren wachsen diese freien
Gemeinden teilweise um mehr als 20% im Jahr. Die Zukunft der Kirche in
Deutschland wird deshalb in diese Richtung gehen - einfach eine unverbindliche
Zusammenkunft. Beziehungen statt Institution.
Der Mensch ist so angelegt, dass er
Gemeinschaft braucht auch in dem was er glaubt und was er anstrebt.
Kennen Sie Geschichte mit der glühenden Kohle?
Wenn mehrere glühende Kohlen auf einem Haufen zusammen liegen, hält die
Glut lange. Nimmt man sie aber auseinander, dann verlöschen sie bald.
Darum beten wir auch im Glaubensbekenntnis: Ich glaube an die Gemeinschaft der
Heiligen, wobei Heilige bedeutet: zu Gott gehörig.
Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.
Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön.
Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn.